Analysen & Hintergründe
Generative KI und Urheberrecht: Analyse der Herausfor-derungen für Autorschaft, Originalität und moralische Rechte
Der Artikel zeigt auf, dass traditionelles Urheberrecht – etwa die EU-Urheberrechtsrichtlinie (2001/29/EG), der US Copyright Act oder das deutsche UrhG – von der Annahme ausgeht, dass ein Werk aus menschlicher Kreativität entsteht. Generative Modelle wie GPT-4, Midjourney oder Stable Diffusion erzeugen jedoch Inhalte, die stilistisch und inhaltlich überzeugend wirken, ohne dass eine einzelne Person als „Autor“ identifizierbar ist. Dies führt zu offenen Fragen:
- Wer ist Urheber bei KI-generierten Werken?
- Wie reguliert man die Nutzung urheberrechtlich geschützter Trainingsdaten (aktuell oft unter Fair-Use- oder Text-and-Data-Mining-Ausnahmen)?
- Wie schützt man moralische Rechte (z. B. Integrität des Werks, Urhebernennung), insbesondere posthum?
- Droht eine Verwässerung menschlicher Originalität durch massenhafte KI-Produktion?
Die Autoren argumentieren, dass bestehende Ansätze fragmentiert und unzureichend sind: In den USA dominiert eine werkzentrierte Sicht (ohne starke moralische Rechte), im UK gibt es Sonderregeln für computer-generierte Werke (die aber menschliche Originalität voraussetzen), und in Deutschland/Großbritannien fehlen klare Modelle für semantische Reproduktion. Ohne Anpassung könnte KI menschliche Kreativität marginalisieren – ein Risiko, das an Kontroversen in der Musikindustrie (Sampling) oder bei Künstler-Style-Imitationen erinnert.
Als Lösung schlagen die Autoren ein Hybrid-Framework vor, das KI als Werkzeug einstuft: Copyright-Schutz entsteht nur bei signifikanter menschlicher Eingabe (z. B. durch Prompt-Engineering, Kuratierung oder Nachbearbeitung). Kern des Vorschlags ist ein globales Copyright-Framework (inspiriert von WIPO-Diskussionen), das folgende Elemente integriert:
- Semantics-aware Definition des Begriffs „Werk“
- Lizenz- und Vergütungsmodelle für Trainingsdaten
- Stärkung moralischer und posthumer Rechte (z. B. Schutz von Stimme, Ähnlichkeit, Stil)
- Transparenzpflichten für KI-Systeme und Enforceability-Mechanismen
Der Text baut auf Neubauers Dissertation „AI and Authorship Redefined: Towards a Global Copyright Framework for Commerce and Human Originality“ (Oktober 2025) auf und erweitert sie um interdisziplinäre Perspektiven. Er endet mit einem klaren Appell: Urheberrecht muss evolieren, um Innovation zu ermöglichen, ohne menschliche Kreativität zu opfern – ein Balanceakt, der durch EU-Regulierungen wie den AI Act unterstützt werden könnte, aber globale Harmonisierung erfordert.
Dieser Beitrag ist hochaktuell und relevant für Policymaker, Kreative, Tech-Unternehmen und Juristen: Er liefert nicht nur Kritik an Status quo, sondern konkrete Vorschläge für eine faire KI-Zukunft.Quellen/Links (direkt zum Text und verwandten Arbeiten):
- Volltext auf MDPI: https://www.mdpi.com/2673-8392/6/1/9
- Encyclopedia MDPI Entry: https://encyclopedia.pub/entry/59405
- ResearchGate: https://www.researchgate.net/publication/399393565_AI_Authorship_Copyright_and_Human_Originality
- Verbundene Dissertation: https://www.researchgate.net/publication/396975531_AI_and_Authorship_Redefined_Towards_a_Global_Copyright_Framework_for_Commerce_and_Human_Originality
- LinkedIn-Post zur Veröffentlichung: https://www.linkedin.com/posts/anja-m-neubauer_ai-authorship-copyright-and-human-originality-activity-7413573367745892353-fUJz

