AI ACT, REGULIERUNGEN & GOVERNANCE
KI vor Gericht: Was die weltweiten Verfahren wirklich bedeuten
Künstliche Intelligenz wird nicht mehr nur entwickelt – sie wird verklagt.
Weltweit laufen inzwischen Dutzende Verfahren gegen KI-Anbieter. Betroffen sind nahezu alle großen Namen: OpenAI, Meta, Google, Microsoft, Anthropic, Stability AI, Midjourney, Suno, ElevenLabs und viele weitere. Die Kläger reichen von Einzelautorinnen über Musiklabels bis hin zu großen Medienhäusern wie der New York Times oder Getty Images.
Was auf den ersten Blick wie eine Vielzahl einzelner Streitigkeiten wirkt, ist in Wahrheit ein globaler Grundsatzkonflikt:
Darf KI mit urheberrechtlich geschützten Werken trainiert werden – und wenn ja, unter welchen Bedingungen?
Worum geht es inhaltlich?
Die Verfahren lassen sich grob in vier Kategorien einordnen:
- Training mit urheberrechtlich geschützten Werken
Bücher, Zeitungsartikel, Musik, Bilder oder Code wurden für das Training von KI-Modellen verwendet. Rechteinhaber fragen: War das zulässig? War es lizenzpflichtig? - Output-Fragen
Wenn KI Texte, Bilder oder Musik erzeugt, die bekannten Werken ähneln – liegt eine Urheberrechtsverletzung vor? - Daten-Scraping und Datenbanken
Plattformen werfen KI-Anbietern vor, Inhalte automatisiert „abgegriffen“ zu haben. - Stimmen- und Persönlichkeitsrechte
Besonders im Musik- und Voice-Bereich geht es um KI-generierte Stimmen und Identitätsfragen.
Viele Verfahren sind noch anhängig. Einige wurden teilweise beigelegt („partially settled“), andere freiwillig zurückgezogen („voluntarily dismissed“). Mehrere Entscheidungen befinden sich bereits in der Berufungsinstanz.
Der deutsche Fall: GEMA gegen OpenAI
Auch Deutschland ist Teil dieses Konflikts.
Im Verfahren GEMA v. OpenAI entschied das Landgericht München I in erster Instanz. OpenAI hat gegen diese Entscheidung Berufung eingelegt. Das Verfahren geht damit in die nächste Instanz.
Das ist wichtig:
Der Fall ist nicht erledigt. Er ist Teil eines größeren europäischen Klärungsprozesses zur Frage, wie das Training von KI-Modellen mit Musikwerken rechtlich einzuordnen ist.
Warum diese Verfahren so bedeutsam sind
Es geht nicht nur um Schadensersatz.
Es geht um:
- die wirtschaftliche Grundlage kreativer Berufe
- die Reichweite von Text- und Data-Mining-Ausnahmen
- Transparenzpflichten von KI-Anbietern
- Lizenzmodelle für Trainingsdaten
- und letztlich um die Frage, wie „menschliche Originalität“ im KI-Zeitalter geschützt wird
Sollten Gerichte strengere Maßstäbe anlegen, könnte das Geschäftsmodelle verändern. Sollten sie großzügige Trainingsprivilegien bestätigen, verschiebt sich die Machtbalance weiter in Richtung Plattformanbieter.
Was Unternehmen jetzt verstehen müssen
Für Unternehmen, die KI einsetzen oder entwickeln, sind diese Verfahren kein Randthema.
Sie betreffen:
- Compliance-Risiken
- Haftungsfragen
- Lizenzierungsmodelle
- vertragliche Absicherung
- Investitionsentscheidungen
Die Rechtslage ist nicht stabil. Sie entwickelt sich gerade in Echtzeit – vor Gericht.
Fazit
Die Gerichte werden in den kommenden Jahren definieren, wie KI mit bestehenden Werken umgehen darf – und wie weit wirtschaftliche Nutzung reicht.
Wer heute KI strategisch einsetzt, sollte die juristische Dynamik verstehen.
Denn die Spielregeln werden nicht im Marketing entschieden, sondern in den Gerichtssälen.

