AI ACT, REGULIERUNGEN & GOVERNANCE
Dänemarks bahnbrechendes Deepfake-Gesetz: Urheberrecht-liche Schutzrechte für das eigene Erscheinungs-bild und die Stimme
Im Juni 2025 hat die dänische Regierung einen wegweisenden Gesetzesvorschlag präsentiert, der das Urheberrecht erweitert, um Bürgerinnen und Bürger vor der unbefugten Erstellung und Verbreitung von Deepfakes zu schützen.
Dieses sogenannte „Deepfake-Gesetz“ – offiziell eine Änderung des dänischen Copyright Acts – gewährt jedem Menschen ein quasi-urheberrechtliches Eigentum an seinem Körper, seinem Gesicht, seiner Stimme und seinen persönlichen Merkmalen. Es ist das erste Gesetz seiner Art in Europa und zielt darauf ab, die wachsende Bedrohung durch KI-generierte Fakes zu bekämpfen, die für Erpressung, Mobbing, Betrug oder politische Manipulation missbraucht werden können.
Mit breiter parteiübergreifender Unterstützung wurde der Entwurf im Sommer 2025 zur öffentlichen Konsultation freigegeben und im Herbst 2025 dem dänischen Parlament vorgelegt. Die Umsetzung ist für Juli 2026 geplant, wobei Plattformen wie Meta oder X mit hohen Bußgeldern rechnen müssen, wenn sie nicht-konsensuelle Deepfakes nicht entfernen.
Hintergrund der Initiative: Die dänische Kulturministerin Jakob Engel-Schmidt betonte bei der Vorstellung des Vorschlags, dass die Gesetzgebung „die Lebensgrundlage der Künstlergemeinschaft schützt“ und gleichzeitig jeden Bürger vor digitaler Identitätsdiebstahl bewahrt. Deepfakes, die durch fortschrittliche KI-Tools wie Stable Diffusion oder Sora erzeugt werden, haben in den letzten Jahren zugenommen – von Sextortion-Fällen bis hin zu gefälschten politischen Videos. Dänemark reagiert damit auf eine Lücke im bestehenden Recht: Bisherige Regelungen, wie das dänische Strafgesetzbuch (gegen Identitätsdiebstahl und unbefugtes Erstellen sexuellen Materials) oder der Marketing Practices Act (gegen kommerzielle Missbrauch von Bildern), reichen oft nicht aus, da sie keine klare Grundlage für schnelle Takedowns bieten.
Der neue Ansatz integriert sich nahtlos in die EU-weiten Regelungen der Digital Services Act (DSA), die Plattformen verpflichtet, illegale Inhalte zu entfernen. Betroffene können nun eine fundierte Meldung einreichen, die auf dem neuen Urheberrecht basiert, was die DSA-Prozesse aktiviert.Details zum Gesetz: Der Vorschlag umfasst zwei Hauptteile. Erstens eine allgemeine Schutzregel gegen realistische, digital generierte Imitationen persönlicher Merkmale (z. B. Gesicht oder Stimme), die ohne Einwilligung veröffentlicht werden. Zweitens einen erweiterten Schutz für Künstler und Performer, der 50 Jahre nach dem Tod gilt und Kompensation für unbefugten Gebrauch ermöglicht. Ausnahmen gibt es für Satire, Parodie, Karikatur und Pastiche, um die Meinungs- und Kunstfreiheit zu wahren. Im Gegensatz zu reinen Verboten (wie in den USA mit dem „Take It Down Act“ von 2025) setzt Dänemark auf zivilrechtliche Durchsetzung: Keine direkten Strafen für Ersteller, aber Plattformen haften, wenn sie Meldungen ignorieren. Dies könnte zu „schweren Bußgeldern“ führen, wie von der Regierung angekündigt. Die Schutzdauer beträgt lebenslang plus 50 Jahre, was den Urheberrechtsschutz für Werke widerspiegelt.
Internationale Reaktionen: Der Vorschlag hat weltweite Aufmerksamkeit erregt. Während Experten wie die des World Economic Forum es als „Modell für digitale Identitätsschutz“ loben, gibt es Kritik: Einige sehen wenig Mehrwert, da bestehende EU-Regeln wie der AI Act (der Deepfakes als „manipulierte Inhalte“ reguliert und Transparenz fordert) oder die GDPR (Datenschutz) bereits greifen. Andere warnen vor Überregulierung, die kreative KI-Nutzung behindern könnte. Dänemark nutzt seine EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2025, um ähnliche Maßnahmen EU-weit zu pushen – etwa durch Diskussionen in der Europäischen Kommission. Bis Februar 2026 läuft die Notifizierung beim TRIS-System der EU, wo Kommentare eingereicht werden können.
Auswirkungen auf Unternehmen und Gesellschaft: Für Tech-Plattformen bedeutet das Gesetz mehr Verantwortung: Sie müssen Systeme für Deepfake-Erkennung verbessern, um Haftung zu vermeiden. KMU in der KI-Branche könnten von klareren Regeln profitieren, da sie rechtliche Sicherheit schaffen, aber auch Compliance-Kosten steigen lassen. Gesellschaftlich könnte es ein Meilenstein gegen Desinformation sein, besonders in Wahlen oder bei Prominenten-Schutz.
Dennoch bleibt die Durchsetzung eine Herausforderung: KI-Tools entwickeln sich schneller als Gesetze, und grenzüberschreitende Fälle erfordern EU-Kooperation.Insgesamt markiert das dänische Deepfake-Gesetz einen innovativen Schritt, der Urheberrecht mit Persönlichkeitsrechten verknüpft und Europa in der KI-Regulierung voranbringt. Es ergänzt den EU AI Act und könnte globale Standards setzen, wie ähnliche Initiativen in den USA oder Asien zeigen.

